Nachhaltigkeit macht Schule

Auf die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klasse in Aarwangen wartet seit Frühjahr jede Woche auf’s Neue viel Arbeit, für einmal aber nicht am Pult, sondern im Garten. Genau genommen im Schulgarten. In der Schule Aarwangen ist Nachhaltigkeit nämlich Thema. Es muss gesät, gesetzt, gegossen, gejätet und hoffentlich auch immer mal wieder geerntet werden. Die Gartenarbeit ist fester Bestandteil des Stundenplans. Und so staunt viele Arbeitsstunden und ein paar Monate später auch Klassenlehrerin Karin Brand nicht schlecht ab der schönen Ordnung und den unterschiedlichsten Farben und Formen in den Beeten. Ein Bild, das stolz machen darf!

Wie passt das Schulgartenprojekt in den Lehrauftrag? Nicht nur auf dem Papier, sondern direkt erleb- und spürbar lernen Schülerinnen und Schüler, was es braucht, bis ein Gemüse ernte- und schliesslich und schlussendlich auch tellerfertig ist. Die Gartenarbeit verdeutlicht den Jugendlichen den Wert der Lebensmittel. Dazu beizutragen, Essbares zu produzieren und Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen, das ist Ziel des praxisorientierten Unterrichts zum Thema Nachhaltigkeit.

«Im Schulgarten gibt es viele Lern-gelegenheiten.»

Dr. Barbara Jaun-Holderegger,
Dozentin Natur, Mensch, Gesellschaft NMG,
Pädagogische Hochschule PH Bern

Dr. Barbara Jaun-Holderegger zum Schulgartenprojekt : «So können Schülerinnen und Schüler Gemüse aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen: aus biologischer Sicht, wenn es darum geht, zu verstehen, wie sich Pflanzen fortpflanzen, aber auch aus wirtschaftlicher Sicht, weil in einer reifen Frucht viel Arbeit und Zeit stecken.

Und was ist dir die Frucht am Schluss wert? Verschiedene Studien zeigten, dass sich das Lernen in der Natur positiv auf die psychische und physische Gesundheit der Kinder und auf ihr Verständnis von Biodiversität auswirkt.»

Dank «Bern ist Bio» zu mehr Ernte

«Bern ist Bio» stand den Macherinnen und Machern bei der Planung und Umsetzung ihres Schulgartens mit Tipps und Tricks zur Seite: Welche Saaten und Setzlinge eignen sich besonders für einen Schulgarten? Wie kann garantiert Gemüse geerntet werden? Und welche Pflanzen könnten sonst noch eine Rolle spielen? So half «Bern ist Bio» bei der Auswahl geeigneter Gemüse und Kräuter und beriet das Schulgartenteam punkto Anordnung und Pflege der besagten Köstlichkeiten im Garten.

Mit regionalem Bildungsengagement zu mehr Wertschätzung und Wertschöpfung für Berner Bio
Um Bio zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen, entwickelt «Bern ist Bio» in enger Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule PH Bern Angebote für Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler zur Stärkung von Berner Bio, basierend auf dem aktuellen kantonalen Lehrplan sowie der Bildung für Nachhaltige Entwicklung BNE. Fachlehrpersonen in den Primarschulen werden mit wertschöpfungsspezifischen Angeboten weitergebildet und Lehrpersonen profitieren von fixfertigen Lehr- und Lernarrangements als Unterrichtsmöglichkeiten. So werden Schülerinnen und Schüler entlang der regionalen Bio-Wertschöpfungsketten nachhaltige Themen nähergebracht, die sie zum Nachdenken und Handeln anregen und ihr Interesse für die Gestaltung einer nachhaltigen und fairen Wertschöpfungskette wecken sollen.

Erste Ernterunde für hungrige Mäuler: Von Joghurtdip und Zucchettikuchen

Im Juni war es soweit: Die erste Ernte stand an. Endlich! Kräuter, Salate, Radiesli und Zucchetti waren genussbereit. Die emsigen Schülerinnen und Schüler durften das geerntete Gemüse mit nach Hause nehmen und berichteten stolz, was daraus kreiert wurde: so zum Beispiel Zucchettikuchen und -gratin oder Schnittlauch-Joghurtdip. Der Schnittlauch kommt so gut an, dass dieser auch mal als kleine Zwischenverpflegung in der Pause genossen wird – pur und direkt ab Boden.

Nebst Klassenlehrerin Karin Brand bot auch Schulhauswart Christof Keller im Schulgarten eine helfende Hand. Er steht den Klassen unterstützend zur Seite und lobt die strukturierte Bepflanzung der Beete und die schöne Ernte – dank des gewissenhaften Wässerns und des persönlichen Einsatzes der Kinder gegen Unkraut. Gibt es dennoch etwas, was anders hätte gemacht werden können? Er rät, die Beete für Kinder nicht zu breit anzulegen, so dass bequem gearbeitet und nicht hineingestanden werden muss. Das wiederum verdichtet nämlich den lockeren Boden, was dem Gemüse nur selten gefällt. Zudem soll der Boden geschont und vor dem Austrocknen geschützt werden – bestenfalls mit der Mulchtechnik. Bodenschutz und Wasserverbrauch spielen eine wichtige Rolle. Es empfiehlt sich, diese Themen im Unterricht auch theoretisch zu beleuchten.

Emotionsregulation und weitere Learnings

Es ist nicht zu übersehen: Die Jugendlichen sind vom Gärtnern angetan und man ist sich einig: Der Schulgarten macht Spass! Sie staunten über die Vielfalt der Sorten und -formen und freuten sich, das Gemüse täglich wachsen zu sehen. Zeit draussen zu verbringen ist selten schlecht und so meinte eine Stimme gar, die Gartenarbeit helfe beim Abbau negativer Emotionen.

Weitere Learnings? Nicht bei Sonnenschein giessen und weder zu viel noch zu wenig wässern, damit die Beete nicht vertrocknen oder gar ertränkt werden. Und auch, dass das Gemüse nicht ohne Zutun wächst: Die Jugendlichen staunten nicht schlecht ab der anfallenden Gartenarbeit. Die kleine Verschnaufpause in den Sommerferien ist nun vorbei, es geht weiter mit Jäten, Hegen und Pflegen. Die nächste üppige Ernte von Zucchetti, Gurken, Kürbissen und Co. folgt hoffentlich bald, so dass weitere Pfannen gefüllt und hungrige Mäuler erfreut werden können. Und so gibt es denn auch bereits Wünsche für’s nächste Jahr: Unbedingt Melonen anbauen!

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